Thalia Graz

in Zusammenarbeit mit Urs Bette

Thalia Graz Post

Architektonische Zielsetzungen

Mit dem Ziel den inhomogenen Bestand des Thalia-Komplexes einzufassen, wurden die neuen Volumen über Thalia und Montagehallen als Spange ausgebildet. Durch die einheitliche Außenhaut wird dieses zweigeteilte Volumen als Ganzes empfunden und fügt den in mehreren Bauetappen gestörten Gesamtkomplex – quasi unter einem Dach – gestalterisch wieder zusammen. Der sehr heterogene Altbestand wird nach dem Prinzip „one color“ vereinheitlicht, ohne explizit neue Fassadengestaltungen zu benötigen. Im Bereich des girardigassenseitigen „Glashütchens“ werden kleinere Eingriffe in den Bestand vorgeschlagen, das neue Volumen stülpt sich an dieser Stelle in den Bestand. Im Bereich der historischen Fassade (vis a vis der Oper) kann durch das Zurücksetzen des aufgesetzten Volumens erreicht werden, dass die denkmalgeschützte Fassade in ihrer Wirkung ungestört bleibt. Der Rückbau des bestehenden Glaskubus an der Nordseite (rechts Next Liberty) legt die Seitenfassade des Thaliatheaters wieder frei, und verschafft ihr Geltung.

Erfüllung des Raum- und Funktionsprogramms

Um eine städtebaulich ausgewogene Situation zu erreichen, wird das Volumen des Fitnessstudios links, rechts und entlang des Bühnenturms verteilt. Die unterschiedlichen Nutzungen wie Wellness, Studios und Servicebereiche werden gruppiert und in den beiden funktionellen Hälften so verteilt, dass sie ein sinnvolles Ganzes ergeben. Extrovertierte und introvertierte Räume werden dabei bewusst gruppiert. Den beiden Hauptvolumen werden Terrassen und gedeckte Außenbereiche zugeordnet. Teile des Daches über der Thalia werden ebenfalls als Terrasse genutzt und durch eine Freitreppe erreicht.

Behindertengerechtigkeit

Um beide Teile des Volumens barrierefrei zu erschließen, werden beide Seiten durch einen Aufzug verbunden. Durch diese Aufzüge können auch Technik- und Personalräume barrierefrei erreicht werden, was die Servicierbarkeit (zB den Transport von Handtüchern etc.) erleichtert. Der Hauptzugang zum Studio erfolgt von der Girardigasse. Über einen Empfangsbereich kommt man in die darüberliegende zentrale Verteilerebene, am Knotenpunkt wird die Lobby angeordnet. Ein Zugang vom Next Liberty Foyer erscheint aufgrund der Lage des Baukörpers als nicht sinnvoll. Das bestehende Stiegenhaus rechts des Bühnenturmes, kann als Notstiegenhaus zur Verfügung gestellt werden, im Prinzip wäre auch der bestehenden Aufzug nutzbar.

Äußere Gestaltung

Das neue Gesamtvolumen versucht sich so dicht wie möglich an die bestehende Kubatur anzuschmiegen, bestehende Nischen zu nutzen, und eine (durch den Bühnenturm gesetzte) maximale Höhenentwicklung nicht zu überschreiten. Einschnitte berücksichtigen die Belichtung tiefer liegender Zonen und gliedern die internen Funktionen. Die Fassade wird durch transluzente und opake Flächen strukturiert, die sich in die Dachflächen hinein fortsetzten. Der Körper stellt sich dadurch als einheitliches aufgesetztes Volumen dar. Er grenzt sich vom darunterliegenden Bestand ab, stellt aber farblich eine Verbindung zur Dachlandschaft der Oper her. Durch die Spangenwirkung vor dem Bühnenturm wird ein Equilibrium hergestellt und eine – die Umstände des Bestandes berücksichtigend – proportional ausgewogene Gesamterscheinung erzielt. Die Fensterflächen treten hinter der gelochten Fassade erst in der Nacht in Erscheinung.

Innere Gestaltung

Durch die Anlage des Volumens ergibt sich im Inneren des Studios eine sehr abwechselnde skulpturale Raumkonfiguration, die durch Einschnitte immer zusätzliche Blicke in die Dachlandschaft der Umgebung gewährt. Durch das Umgreifen des Bühnenturmes und die unterschiedliche Ausrichtung werden alle Himmels- und Blickrichtungen im Inneren möglich. Der hochwertigen städtebaulichen Lage wird durch diese Ausrichtung Rechnung getragen. Durch die Lochblechanteile wird einerseits ein wirksamer Sonnenschutz auf die Schrägverglasungen bewerkstelligt, andererseits wird dem Benutzer des Studios eine Art Filter zum Außenraum geboten.