Wettbewerb Biennale Salzburg

Kooperation mit Gregor Holzinger

Biennale Post

Projektidee

Pleats please! (Falten bitte!) – Issey Miyake

Die Idee eines faltbaren Lampions bildet die Ausgangsidee für die mobile Struktur des multifunktionalen Bühnenpavillions.

Die zusammengefaltete Haut wird angeliefert, im Reissverschlusssystem modular addiert und mittels mobiler adaptiver Stützelemente auf die gewünschte Form gehoben. Die Haut und ihre Tragekonstruktion hat durch die „Plissees“ Veränderungspotential und kann sich somit unterschiedlichen Raumhöhen sowie der örtlich gegebenen Topographie anpassen. Sie wird akustisch sowohl aufgrund der Faltung als auch aufgrund der nicht rechteckigen Grundstruktur wirksam und kann durch ihre geschlossene Oberfläche den temporären Raum wetterfest und im Winter kältemoderiert machen.

Das System ist erweiterbar, indem mehrere offene Plissees einen x mal so grossen Raum entstehen lassen, das Einzelmodul lässt sich durch Anordnung und Aufstellung an Umgebung und Topografie anpassen.  Auch die Bodenfläche ist ähnlich einem Stempelsatz variabel, kann unterschiedliche Höhen einnehmen und so unterschiedliche Szenarien für Zuschauer und Performances bieten.

Als Variante ist eine in Echtzeit bewegliche Bühnentopographie möglich, die variable Zonierungen des Innen- und Außenraumes in vielfältige Bühnensituationen ermöglicht und die Grenzen zwischen Bühne und Zuschauerraum in einem fließenden Übergang auflöst. Sowohl die Bühnentopographie als auch die variable Fassadentransparenz und –öffenbarkeit können so als inszenatorische Mittel miteinbezogen werden – die Performance erweitert sich in den öffentlichen Raum, der jeweilige Spielort wird zum Schauplatz.

Technische Beschreibung

Tragwerk

Die Tragekonstruktion besteht aus einem geradlinigen wie auch bogenförmig vorgespannten Stabwerk, welches die Hauptraumkanten der viereckigen Struktur an Boden und Dach einfasst. Als Material der Leichtbaukonstruktion sind faserverstärkte Kunststoffverbundrohre mit Knotenstücken aus Aluminium vorgesehen.

Vier Eckstiele, drehbar und längenverstellbar in das Bodengerüst eingebunden, stützen als Raumkanten die Dachstruktur und bilden die Führung für die textilen Wandelemente. Die Eckstiele sind mechanisiert wie auch handbetrieben, variabel positionierbar und ermöglichen die Adaption des räumlichen Stabwerks.

Die Sicherung gegen Abhub und Horizontalkräfte erfolgt durch Tank Bags, welche mit chemisch stabilisiertem Wasser im Unterboden positioniert, eine massereiche Auflast bilden.

Boden

Der Boden besteht aus modular biegsam gefügten Verbundpaneelen aus Holz und Kernmaterial welche höhenvariabel aufgeständert werden und die Bodenlandschaft modellieren. Der homogene Belag aus Kunststoffgranulat ermöglicht eine barrierefreie wie schalldämpfende Oberfläche.

Dach

Die Dachfläche als zweisinnig gekrümmt, vorkonfektionierte Membran konzipiert, bespannt die geraden, wie auch eingkrümmten Elemente des konstruktiv raumbildenden Stabwerks und ist zugleich wetterfeste Raumhülle. Auf der Membranober- und unterseite sind Funktionsschichten appliziert, welche Aspekte der akustischen und thermischen Erfordernisse graduell additiv erfüllen und im Bedarfsfall örtlich differenziert angebracht werden. Zur Hintanhaltung des Trommeleffektes bei Starkregen verfügt das Dachtragwerk über eine weitere applizierbare, aussenliegende Netzmembran, welche über einen Aussteifungsbogen gespannt ist.

Die Membraninnenseite trägt mit seinen additiven Kissen, welche durch massereiche reflektierende Plattenstrukturen, wie auch durch adsorptiv ausgestaltete Flächenelemente und Plattenresonatoren ausgestattet ist, zur bewusst individuellen Adaptierung der akustischen Eigenschaften bei.

Wand

Sämtliche Wandelemente bestehen aus der mehrschaligen textilen Faltwerksstruktur eines raffbaren Wandbalges mit Membrankissen, welche mit sehr leichtem körnigem Aerogel gefüllt, transluzente Raumwirkung ermöglichen. Die Kissen selbst sind längslaufend mit Faserverbundstäben ausgesteift und können zu kompakten Paketen, wie auch zu adaptiven Wandszenarien komprimiert oder ausgedehnt werden. Die vertikale Lastabtragung erfolgt dabei über Führungsschienen an den variablen eck- und teleskopischen Zwischenstielen.

Türen, Öffnungen und Anschlussstellen sind rahmenartig gefasst und im Bodenbereich verankert .

Aufbau Transport Lagerung

Die prinzipiellen Bauteile bestehen aus Stäben, Platten und textilen Bahnen, welche gebündelt gestapelt und gerollt wie paketiert auf Normcontainern verlastet werden. Die mechanisierte Variante der teleskopischen Eckstütze ist als drehbare Pivotkonstruktion mit einer Anhängergabel verfahrbar und ebenso als Stückgut in Containern zu verstauen. Sämtliche für den Transport vorzusehenden Volumen sind als Normcontainer unterschiedlicher funktioneller Konzeption vorgesehen und werden über Standard-Frachtszenarien bewegt.

Haustechnik

Die haustechnische Basisausstattung besteht aus Heizung, Lüftung und Beleuchtung. Die Stromversorgung erfolgt dabei über das jeweilige lokale Netz. Untergebracht sind die Ver- und Entsorgungseinheiten in den Backup Containern der ergänzenden Raumfunktionen. Die Leitungsführung erfolgt konsequent im Unterbodenbereich, wobei die Frischluft-Zuluft konditioniert über Welluftplatten eingebracht wird. Die Abluft wird über die zwei Raumhochpunkte unter Verwendung eines Plattenregisters zur Wärmerückgewinnung direkt ins Freie ausgeblasen.

Modulare Erweiterung

Das primäre Mittel der modularen Erweiterung ist die Raumzelle des Multifunktionsraumes, welche über gleichförmig lange Seitenkanten und variabel einstellbare Höhen und Wandneigungen räumlich bestimmt ist. Das Erweiterungselement ist dabei über ganze und halbe Grundrisseinheiten additiv möglich.